Entstanden in der ersten Frauenbewegung hat sich der SkF München e.V. in den letzten 120 Jahren zu einem modernen Frauenfachverband mit rund 470 Mitarbeiter*innen entwickelt. 2026 wollen wir diesen runden Geburtstag mit einer Reihe von Veranstaltungen feiern.
Die Zentrumspolitikerin Agnes Neuhaus rief Ende 1899 den ersten SkF-Ortsverein in Dortmund – damals noch unter dem Namen „Verein vom guten Hirten“ – ins Leben. In München griff Frauenrechtlerin Ellen Amman die Idee auf. Sie hatte bereits den Anstoß zur ersten deutschen Bahnhofsmission gegeben. Sie sah die Nöte in der Gesellschaft, von denen Frauen in besonderer Weise betroffen waren und die Hilfe von Frauen für Frauen sowie sozialpolitisches Engagement erforderlich machten.
1906 schlossen sich engagierte Katholikinnen in München zusammen, um den SkF München e.V. zu gründen, Mitglieder des bayerischen Königshauses übernahmen die Schirmherrschaft. Von Anfang an wurde unabhängig von Nationalität und Konfession/Religion beraten. Unsere Straffälligenhilfe für Frauen und Mädchen existiert seit Gründung des Vereins. Bereits 1907 wurde das erste Schutzhaus für Frauen und Kinder in der Rosenheimer Straße eröffnet, das mit seinen zwölf Betten bald zu klein war. Bis heute betreibt der SkF München e.V. zwei Frauenhäuser. 1918 erwarb der Verein dann das Anwesen in Thalkirchen, in dem sich heute unser modernes Kinder- und Jugendhilfezentrum befindet, unter anderem mit Kinderkrippe und Mädchenwohngruppen.
„Seit 120 Jahren ist der SkF München e.V. ein Zufluchtsort für Frauen und Mädchen in Notlagen“, sagt Geschäftsführerin Bettina Nickel. „Wichtig war und ist uns stets, flexibel auf gesellschaftliche Entwicklungen und Bedarfe zu reagieren. All das wäre nicht möglich gewesen ohne die Leidenschaft und den Zusammenhalt der Mitarbeiter*innen und Ehrenamtlichen. Heute sind wir ein moderner Frauenfachverband.“
Über die Jahre hat sich das ursprüngliche Verständnis mildtätiger Fürsorge zu einem zeitgemäßen Konzept emanzipativer Hilfe zur Selbsthilfe weiterentwickelt. Immer wieder galt und gilt es, auf neue Herausforderungen zu reagieren – etwa als 2015 auch zunehmend Frauen und Mädchen nach München flüchteten. Deren besondere Schutzbedürftigkeit machte es erforderlich, spezielle Einrichtungen für die Erstaufnahme von Frauen wie auch minderjährige unbegleitete Mädchen zu schaffen. Der SkF setzte sich damals dafür ein und übernahm die Betreuung.
Zahlreiche Fachdienste entstanden über die Jahre neu: So etwa die Hilfe für psychisch erkrankte Mütter, über die Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl kürzlich beim 25-jährigen Jubiläum sagte: „Sie als SkF haben aus einer mutigen Idee eine tragende Säule sozialer Arbeit gemacht.“ Ein anderer Bereich, der in den letzten Jahren im Zuge der Wohnungsnot ständig gewachsen ist, ist die Wohnungslosenhilfe. Zuletzt eröffneten 2025 die Lebensplätze, in denen langjährig wohnungslose Frauen ab 50 Jahren ein Zuhause bis zum Lebensende und damit ein Stück Würde zurückbekommen.
Geblieben ist in all den Jahren die christliche Grundhaltung, das frauenspezifische Profil des Vereins sowie das Zusammenwirken von Haupt- und Ehrenamt auf allen Ebenen. Inzwischen werden die rund 470 Mitarbeitenden in 40 Einrichten, Fachdiensten und Angeboten von 280 Ehrenamtlichen unterstützt. Die mannigfaltigen Aufgaben bleiben wohl auch in der Zukunft: Armut, Vereinsamung, Wohnungslosigkeit und psychische Erkrankungen nehmen zu, gleichzeitig müssen die Kommunen sparen. Umso mehr braucht es also auch 2026 Orte wie den SkF München e.V.
Den runden Geburtstag wollen wir nun mit einer Vielzahl von Veranstaltungen feiern. Darunter eine festliche Maiandacht, ein Mitarbeiter*innenfest, eine Ausstellung über häusliche Gewalt und, im September, einen Festakt. Los geht es am 4. Februar mit einem ganz besonderen Kinoabend.
Im Neuen Rottmann, gleich um die Ecke von unserer Zentrale am Stiglmaierplatz, die wir 2008 bezogen haben, zeigen wir „Achtundzwanzig - Der Weg entsteht im Gehen". Der Kinofilm von 2025 ist Teil einer berührenden Langzeitdokumentation über vier ganz unterschiedliche Frauen in Deutschland, die mit 14 ungewollt schwanger geworden sind. Heute sind ihre Kinder so alt wie sie damals. Im Film geht es ums Erwachsenwerden und die Herausforderung als Mutter, um Partnerschaft und häusliche Gewalt. Anschließend findet ein Podiumsgespräch mit der Regisseurin Cornelia Grünberg und Fachkolleg*innen aus dem SkF München statt.
Die Veranstaltung ist kostenfrei. Gerne können Sie in Begleitung kommen. Da die Plätze begrenzt sind, bitten wir Sie allerdings um eine verbindliche Anmeldung unter