Seit 120 Jahren gibt es die Straffälligenhilfe für Mädchen und Frauen beim SkF München e.V., nun wurde sie ausgezeichnet.

Was für eine schöne Nachricht zum 120-jährigen Jubiläum: Der SkF München e.V. und sein ältester Fachdienst, die Straffälligenhilfe, bekommen den „Anita Augspurg Preis“. Die Ehrung der Stadt München dient der Förderung der Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen – und passt damit hervorragend zu unserer Arbeit.

 

Der Münchner Stadtrat ist der Empfehlung der Jury gefolgt und hat der Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Anita Augspurg Preis an die Straffälligenhilfe des SkF München e.V. zugestimmt. „Mit der Preisverleihung bedankt sich die Landeshauptstadt München für den vorbildlichen feministischen, beständigen und innovativen Einsatz in der Straffälligenhilfe, die den betroffenen Frauen* durch Beratung, Begleitung, praktische Unterstützung und Lobbyarbeit Wege eröffnet, ihre Zukunft positiv zu gestalten“, heißt es in der Mitteilung der Gleichstellungsstelle für Frauen.

 

„Wir freuen uns sehr, dass mit diesem Preis unsere langjährige Arbeit mit einer hoch stigmatisierten Zielgruppe gewürdigt wird“, erklärt Iris Grönecke-Kümmerer, Fachdienstleitung der Straffälligenhilfe. „Mit diesem Preis wird eine Zielgruppe in den Mittelpunkt gestellt, die oft unsichtbar ist und doch unter uns lebt.“

 

„Das ist eine tolle Auszeichnung für den sehr engagierten Einsatz unserer Mitarbeiterinnen“, sagt Vorständin Alma Thoma. „Die Finanzierung dieser Arbeit trägt der SkF München e.V. zum großen Teil aus Eigenmitteln. Die Unterstützung von straffällig gewordenen Frauen hat wenig Lobby und ist doch so wichtig, wenn ein straffreies Leben und eine Resozialisierung in die Gesellschaft gelingen sollen“, erklärt SkF-Geschäftsführerin Bettina Nickel.

 

Es gibt kaum einen gesellschaftlichen Bereich, in dem die Geschlechterdifferenz so ausgeprägt ist wie in der Kriminalität. Frauen werden deutlich seltener straffällig als Männer, sie stellen lediglich fünf Prozent der Inhaftierten. Zudem begehen sie hauptsächlich Bagatelldelikte wie Lebensmitteldiebstähle oder Fahren ohne Ticket, bei Gewaltdelikten sind sie dagegen kaum vertreten. Aufgrund der geringen Fallzahlen ist der Strafvollzug bis heute kaum auf Frauen ausgerichtet und auch bei Hilfsangeboten werden sie oft vergessen. Gleichzeitig ist Straffälligkeit bei Frauen hoch stigmatisiert. Während sie mit männlichen Rollenvorstellungen vereinbar ist, wird sie bei Frauen als extremer Bruch mit den ihnen zugeschriebenen Eigenschaften wahrgenommen. Oft sind sie auf sich alleine gestellt, da Bezugspersonen sich abwenden. Hinzu kommt, dass die Mehrzahl der Täter*innen Mütter sind.

 

Die Straffälligenhilfe des SkF München e.V. richtet sich an Mädchen und Frauen in prekären Lebenslagen und leistet im gesellschaftlichen Interesse einen Beitrag zur Resozialisierung und Chancengleichheit, teure Ersatzfreiheitsstrafen werden verhindert und den betroffenen Mädchen und Frauen eine straffreie Zukunft ermöglicht. Die Mitarbeiterinnen der Straffälligenhilfe leisten damit einen wichtigen Beitrag zum sozialen Frieden in der Münchner Stadtgesellschaft. „Unser Anliegen ist es, die Mädchen und Frauen wieder in die Gesellschaft zu integrieren, sie bei der Aufnahme einer Ausbildung oder Erwerbstätigkeit zu unterstützen und weitere Straftaten zu verhindern“, erklärt Melanie Schauer, Bereichsleitung der Straffälligen- und Wohnungslosenhilfe. Die Straffälligenhilfe bietet:

 

  • Beratung für Frauen vor, während und nach der Haft in München und Aichach
  • Jugendrichterliche Weisungen für delinquente Mädchen und junge Frauen
  • Clearingstelle zur Vermittlung in gemeinnützige Arbeit und Geldverwaltung, um Gefängnisstrafen zu vermeiden
  • Das hundegestützte Kommunikations- und Achtsamkeitstraining „Straffrei mit vier Pfoten“ mit unseren zwei Therapiehunden
  • Abbau von Stigmatisierung durch Öffentlichkeitsarbeit

 

Die Verleihung des Anita-Augspurg-Preises 2026 findet am 3. März im Rahmen des Internationalen Frauentages statt. Der Preis ist nach Anita Augspurg (1857 – 1943) benannt, einer der wichtigsten Vertreterinnen der ersten Frauenbewegung. Die Münchnerin engagierte sich unter anderem für das Frauenwahlrecht und die gleichberechtigte Zulassung von Frauen zu höherer Schulbildung. Der SkF München e.V. unterstützt seit 1906 Frauen und Mädchen in Not unabhängig von Konfession und Nationalität. Die Geschichte als Frauenfachverband wurzelt also ebenfalls in der Frauenbewegung des 19. Jahrhunderts. In diesem Jahr feiern der Verein und der Fachdienst Straffälligenhilfe 120. Geburtstag. Neben der Straffälligenhilfe sind die rund 470 Mitarbeitenden und 280 Ehrenamtlichen des SkF München e.V. in der Wohnungslosenhilfe, dem Gewaltschutz und dem Kinder- und Jugendschutz tätig. 

 

Der SkF München e.V. wird zu etwa drei Vierteln durch Zuschüsse der öffentlichen Hand, darunter die Stadt München, finanziert. Der Rest kommt vom Erzbistum München und Freising sowie aus Eigen- und Stiftungsmitteln und wird dank der Unterstützung privater Spender*innen bestritten. Gerade die Straffälligenhilfe ist auf Spenden angewiesen. Das Preisgeld soll nun unter anderem für traumasensible Projekte verwendet werden, um die inhaftierten Frauen zu stabilisieren, psychische Erkrankungen abzufedern und ihnen so einen Wiedereinstieg in ein straffreies Leben zu ermöglichen.