In Milbertshofen hat der SkF München e.V. ein neues Haus eröffnet – und damit vier zusätzliche WG-Plätze für Frauen geschaffen. Das Leben in der Gemeinschaft soll den Bewohnerinnen die Sorge vor Einsamkeit nehmen und sie auf das Leben mit eigenem Mietvertrag vorbereiten.
Das Haus in Milbertshofen, die ehemalige Pension Fleischmann, bietet Platz für gleich drei Wohngemeinschaften auf drei Stockwerken mit vier, fünf und sechs Zimmern. Auf jeder Etage gibt es eine Küche, ein Wohnzimmer und mehrere Toiletten, alles wurde vor dem Einzug frisch saniert.
15 alleinstehende Frauen zwischen 20 und 68 Jahren wohnen seit Februar 2026 hier. Die Zimmer sind zwischen neun und 20 Quadratmeter groß und kosten unterschiedlich. Viele Bewohnerinnen gehen tagsüber einem normalen Job nach, im Supermarkt, in der Wäscherei, eine der Frauen will bald studieren. Manche haben auf dem angespannten Münchner Wohnungsmarkt Glück und finden irgendwann etwas eigenes, andere brauchen länger Unterstützung.
Die erste SkF-WG wurde vor 41 Jahren eröffnet
Bereits 1985 eröffnete der SkF München e.V. die erste Wohngemeinschaft für ehemals wohnungslose Frauen in der Implerstraße. Mit dem neuen Haus in Milbertshofen betreibt der gemeinnützige Frauenfachverband nun zwölf WGs mit insgesamt 51 Plätzen im Münchner Stadtgebiet.
Die Bewohnerinnen werden in den Bereichen Wohnen, Arbeit, Gesundheit und soziale Beziehungen von Sozialpädagoginnen unterstützt. Das WG-Leben soll sie auf das Wohnen mit eigenem Mietvertrag vorbereiten und ihnen die Sorge vor Einsamkeit nehmen, die viele Frauen aus der Sofortunterbringung begleitet. „Die Unterstützung und Motivation werde ich nie vergessen“, berichtet eine ehemalige Bewohnerin. „Ich habe hier nicht nur ein Zuhause, sondern auch Freunde gefunden“, sagt eine andere.
An der Wand hängt ein detaillierter Putzplan
Natürlich kommt es, wie in jeder Gemeinschaft, auch in den SkF-WGs ab und an zu Konflikten, über Lärm beispielsweise oder die Sauberkeit. Damit solche Streitereien nicht der persönlichen Entwicklung entgegenstehen, gibt es neben einer Sozialpädagogin, die für die ganze WG zuständig ist, für jede Bewohnerin eine eigene Ansprechpartnerin.
In Milbertshofen kommen die Frauen zudem jeden Monat zu einem WG-Treffen zusammen, das, wie die wöchentliche Beratung, verpflichtend ist. Regelmäßig besucht eine Hauswirtschafterin die Bewohnerinnen und unterstützt sie dabei, einen eigenen Haushalt zu führen. In der Küche gibt es abschließbare Kühlschrankfächer, der Herd geht alle 15 Minuten automatisch aus. An der Wand hängt ein detaillierter Putzplan, wer Gäste empfängt, muss das mit einem Schild kenntlich machen, Übernachtungsbesuch ist reglementiert.
Mit der Neueröffnung in Milbertshofen wurden zwei andere SkF-Wohngemeinschaften geschlossen. In die eine ziehen nun zwei junge Frauen aus der SkF-Jugendhilfe, die andere, ein Einfamilienhaus in Berg am Laim, gibt es nicht mehr. Küche und Wohnzimmer waren für die neun Bewohnerinnen einfach zu klein. Das Haus in Milbertshofen mit den abschließbaren Stockwerken und den verschiedenen Gemeinschaftsräumen soll das Zusammenleben auf engem Raum leichter machen. Noch ist manches nicht fertig, der große Garten etwa liegt noch brach. Doch das soll sich bald ändern, spätestens im Sommer wird hier das erste gemeinsame Dreier-WG-Fest stattfinden.