In München ist es das erste Haus dieser Art: Am Kirchweg 5 entsteht eine moderne Unterkunft für 13 wohnungslose Frauen, die ihre Hunde nicht im Tierheim zurücklassen wollen.
Der SkF München e.V. kümmert sich mit der Stadt und der Münchner Wohnen darum, dass aus der ehemaligen Wohnungslosenunterkunft künftig ein Tagesaufenthalt und eine Übernachtungseinrichtung für Mensch und Tier wird, im April rücken die Bagger an. Simone Ortner, Bereichsleiterin für die Wohnungslosenhilfe beim SkF München e.V., erklärt, was es mit dem Projekt auf sich hat.
Frau Ortner, warum braucht es in München ein Haus mit Hund?
Viele wohnungslose Frauen haben eine sehr enge Beziehung zu ihrem Tier. Sie übernachten lieber auf der Straße, als ihren Hund ins Tierheim zu geben. Gerade im Winter ist das gefährlich. In unseren Unterkünften machen wir mal eine Ausnahme und tolerieren eine Schildkröte oder eine Katze, aber mehre Hunde, das würde nicht funktionieren. Künftig haben wir ein Haus für eben solche Fälle, den Bedarf gibt es. In Hamburg wurde das Konzept bereits ausprobiert – und war gleich ein voller Erfolg.
Wie genau soll das Haus funktionieren?
Die wohnungslosen Frauen mit Hund können zu Besuch kommen und, wenn sie wollen, auch übernachten. Ziel ist es, Frau und Tier im Blick zu haben – also auch zu schauen, dass der Hund gechipt, entwurmt und gut genährt ist. Es gibt einen großen Garten, in dem die Tiere herumtollen können. Die Zimmer sind etwas größer, damit ein Hundekorb Platz hat, und alle haben eine eigene Nasszelle. Es soll eine Schleuse geben, in der die Tiere, wenn es matschig draußen ist, erst einmal sauber gemacht werden können. Und es gibt ein Tierarztzimmer, in der hoffentlich ein Ehrenamtlicher ab und zu eine Sprechstunde anbietet. Das ist wirklich ein Haus für Mensch und Tier.
Welche Tiere dürfen in das Haus einziehen?
Alle Arten, vom Dackel bis zum Rottweiler, sind willkommen, wir haben keine Ausschlusskriterien.
Warum ist das Tier so wichtig, dass es nun auch in der Wohnungslosenhilfe einen Platz bekommt?
Menschen, die eine psychische Erkrankung haben oder Gewaltbetroffen sind, profitieren enorm von so einer Beziehung. Gerade bei einer Traumatisierung kann ein Tier eine emotionale Stütze sein und das Stresslevel senken. Wohnungslose leben oft isoliert, das Tier ist ihr einziger Begleiter, und sie kümmern sich liebevoll – solche Hunde sind in der Regel weder vernachlässigt noch aggressiv.
Und wenn es doch Probleme mit dem Tier gibt?
Dann müssen wir sehen, wie die Besitzerin damit umgeht oder wir Hilfe anbieten können. Also ob wir dem Tandem zum Beispiel ein paar Stunden in der Hundeschule spendieren. Man kann man ja mit den Tieren fast alles trainieren, wenn die Besitzerin das will.
Aber auch wenn die Tiere gut erzogen sind, 13 Hunde im Garten sind doch ziemlich viele …
Das stimmt. Wenn das nicht funktioniert, müssen sich die Tiere abwechseln. Der Kirchweg liegt zum Glück gleich an der Isar, und wir wollen die Frauen auch animieren, mit den Hunden rauszugehen.
Wann eröffnet das Haus – und was braucht es jetzt noch?
Im April gehen die Umbauarbeiten los, wir hoffen, dass wir 2027 einziehen können. Wenn das Haus eröffnet, sind wir auch auf Ehrenamtliche angewiesen, auf Tierärzte und andere Freiwillige. Das Tierfutter wollen wir über Spenden finanzieren. Um Personal mache ich mir keine Sorgen – ein Arbeitsplatz mit Hund ist für viele sehr attraktiv. Schon jetzt sind alle, von der Stadt bis zum Architekturbüro, ganz begeistert von dem Projekt und auch ich freue mich sehr, wenn es losgeht!