Vater und Sohn

Unser Haus Karolina stand bislang nur Mütter und Kindern offen. Nun ist der erste Vater eingezogen - ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen Familienarbeit.

 

Seit vielen Jahren unterstützen wir im Mutter-Kind-Haus Karolina in der Au alleinstehende Frauen und ihre Kinder. Regelmäßig finden Beratungsgespräche statt, zudem helfen unsere Mitarbeiterinnen den Müttern bei der Pflege und Erziehung der Kinder. Im Frühling ist erstmals der Partner einer Frau hier eingezogen.

 

Das neue Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) hatte vor einigen Jahren die Rechte für Väter gestärkt, insbesondere durch den Ausbau gemeinsamer Wohnformen. „Mit Zustimmung des betreuten Elternteils soll auch der andere Elternteil oder eine Person, die für das Kind tatsächlich sorgt, in die Leistung einbezogen werden, wenn und soweit dies dem Leistungszweck dient“, heißt es dazu im Sozialgesetzbuch.

 

„Auch wir wollen unser Angebot so gestalten, dass der zweite Elternteil, sofern dieser präsent und an einer Mitarbeit interessiert ist, Erziehungskompetenz vermittelt bekommt“, erklärt Victoria Baur, die gemeinsam mit Maria Geier die Einrichtung leitet. „Das Ziel ist, dass beide Elternteile ihre Kinder künftig noch besser fördern und unterstützen können.“

 

In diesem Fall war die Mutter zunächst in der Kinder- und Jugendhilfe untergebracht, bis sie schwanger wurde. Bereits seit vier Jahren lebt sie nun in Haus Karolina und hat dort ein zweites Kind bekommen. Der Vater zieht die Kinder seit Beginn an mit groß und hilft, wo er kann, ein Sohn hat einen erhöhten Betreuungsbedarf aufgrund einer Beeinträchtigung. Nun will die Familie langfristig gemeinsam in eine eigene Wohnung ziehen, der ebenfalls noch recht junge Vater hat seine Ausbildung abgeschlossen, die Mutter eine begonnen. „Das Zusammenleben im Haus Karolina ist somit ein Pilotprojekt – für die Eltern, aber auch für uns als Einrichtung“, sagt Victoria Baur.

 

Zehn Wohnungen hat das Haus Karolina, zwei Väter könnten künftig hier wohnen. Voraussetzung für den Einzug ist, dass der Mann die Frau unterstützt, einen guten Umgang mit den Kindern hat und bereit ist, mit uns zu kooperieren und sich regelmäßig auszutauschen, erklärt Victoria Baur. Bei einer zweiten Familie wurden gerade die Besuchskontakte erweitert, der Mann darf nun auch in der Einrichtungen übernachten, zudem wurde er stärker in den pädagogischen Prozess eingebunden. Läuft auch in diesem Fall alles gut, kann er noch in diesem Jahr einziehen.