Jedes Jahr sterben in München rund 100 obdach- und wohnungslose Menschen. Bei einem gemeinsamen Gottesdienst bieten Träger der Wohnungslosenhilfe Raum für einen würdigen Abschied. Die Geschichte von Renate K. zeigt, wie wichtig menschliche Begleitung bis zum Lebensende ist.
Zehn Jahre lebte Renate K. auf der Straße, bis sie 2025 in die neu eröffneten Lebensplätze des SkF München e.V. ziehen konnte. Hier finden langjährig wohnungslose Frauen ab 50 ein Zuhause. Anders als in Notunterkünften, können sie hier bis zu ihrem Lebensende bleiben.
Frau K., damals 60, kam dort bereits körperlich angeschlagen an und konnte, nachdem sie endlich eine eigene Wohnung und eine Tür zum Absperren hatte, loslassen. In den ersten Monaten nahm sie gerne an Gemeinschaftsaktionen teil und erkundete mit Hilfe der Mitarbeiterinnen und eines Rollstuhls die Umgebung. Dann ging es leider schnell bergab. Bis zum Schluss konnte Frau K. aber selbstbestimmt entscheiden, welche Hilfe sie annehmen wollte und was der Pflegedienst macht. Schließlich verstarb sie in ihrer eigenen Wohnung.
Rund 13.500 Frauen, Männer und Kinder sind derzeit in München akut wohnungslos. Oft sind sie gesundheitlich schwer angeschlagen und vorzeitig gealtert, in diesem Jahr machte nicht nur die Kälte im Winter, sondern auch die extreme Hitze vielen Menschen auf der Straße schwer zu schaffen.
Wenn obdachlose und wohnungslose Menschen sterben, tun sie das oft allein, ohne den Beistand von Familie oder Freund*innen. Die Mitarbeitenden und Ehrenamtlichen, die sich in den städtischen Notunterkünften und anderen Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe um sie kümmern, sind nicht selten die einzigen Begleiter*innen am Lebensende. Wie im Fall von Frau K., die in ihrem letzten Lebensjahr nochmal ein Zuhause gefunden hat und an deren Humor sich die SkF-Mitarbeiterinnen gerne erinnern.
Damit alle wohnungs- und obdachlosen Menschen, die 2026 verstorben sind, nicht vergessen und in Würde verabschiedet werden, laden zehn Träger der Wohnungslosenhilfe Jahr für Jahr zum Gedenkgottesdienst in der St. Markus Kirche. Der Gottesdienst findet nun bereits zum neunten Mal statt, diesmal am 9. November 2026. Erneut werden die Namen der Verstorbenen verlesen und für jede und jeden eine Kerze entzündet. Den Gottesdienst feiern Stadtdekan Dr. Bernhard Liess und Pfarrer Michael Schlosser in der Gabelsberger Straße 6. Musikalisch begleitet wird der Gottesdienst erneut vom Frauenchor Gsangsklang.
Eingeladen sind die Betreuenden und Kontaktpersonen aus den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, die Mitbewohner*innen der Verstorbenen, Freund*innen, Familie, Bekannte und alle, die an dem Gedenken teilnehmen wollen. Organisatoren sind der Evangelisch-Lutherische Dekanatsbezirk München, der Pfarrverband Mariahilf und St. Franziskus , der Katholische Männerfürsorgeverein München e.V. (kmfv), das Evangelische Hilfswerk München, der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) München e.V., die Obdachlosenhilfe der Benediktiner von St. Bonifaz im Haneberghaus, IN VIA München e.V., die Bahnhofsmission München, die Initiative für Menschen ohne Obdach e.V., die Gemeinnützige GmbH des Projektevereins, Horizont e.V., die Schwestern und Brüder vom hl. Benedikt Labre e.V., das Caritas Begegnungszentrum D3 und die Seelsorge für wohnungslose Menschen.