Marina T. ist in unserem Mutter-Kind-Haus Domicilia zur Welt gekommen. Nachdem ihr Mann gestorben ist, hat sie dort mit ihren zwei Kindern Hilfe gefunden. Das Leben als Alleinerziehende in Ausbildung ist trotzdem schwierig. Deshalb sucht sie jetzt ehrenamtliche Unterstützung.
Vor einem Jahr ist der Mann von Marina T. überraschend verstorben. Auf dem Fensterbrett in ihrer Zweizimmer-Wohnung im Haus Domicila in Sendling erinnern zahlreiche Fotos an ihn. „Zu trauern erlaube ich mir noch nicht, gerade muss ich einfach funktionieren“, sagt Marina T. und lächelt tapfer in die Kamera. Gerade war das Bayerische Fernsehen da, um ihre Geschichte für die Sendung „Stationen - Mütter am Limit“ zu verfilmen.
Marina T. ist eine von zehn alleinerziehenden Müttern im Haus Domicilia. In der Einrichtung des SkF München e.V. hat sie mit ihren beiden Töchtern, fünf und sechs Jahre alt, in ihrer schwierigen Lage ein Zuhause gefunden. Die kleine Wohnung fühlt sich für die Familie wie Luxus an: Die letzten Monate hat sie nach dem plötzlichen Verlust auf neun Quadratmetern verbracht, in einer Wohnung gemeinsam mit Marina T.s. Onkel, Oma und Opa.
Das Leben von Marina T. ist anstrengend. Weil sie ihren Job, sie hat Getränketechnologie gelernt, als Alleinerziehende mit zwei Kindern nicht ausüben kann, macht sie eine Umschulung zur Erzieherin. Der Beruf lässt sich besser mit den Abholzeiten der Kinder vereinbaren, eine 40 Stundenwoche hat sie dennoch, denn in Teilzeit ist das kaum möglich.
Weil der Kindergarten in Schwabing liegt, die Erzieherinnschule in Harlaching und das Mutter-Kind-Haus in Sendling ist Marina jeden Tag drei Stunden unterwegs, 1,5 Stunden am Morgen hin, 1,5 Stunden am Abend zurück. In die Schule kommt sie meistens zu spät. Es geht nicht anders. Ohne ihre Oma, die derzeit noch die Kinder abholt, würde sie es am Nachmittag nicht schaffen. Im Mai geht diese zurück nach Griechenland, derzeit sucht Marina T. verzweifelt ehrenamtliche Unterstützung, um nicht den Kindergarten wechseln zu müssen. „Meine Töchter haben ihren Vater verloren, ich will ihnen nicht die Freundinnen nehmen“, sagt sie. „Ich tue alles für meine Kinder.“
Zeit für sich hat die junge Mutter nicht, am Abend muss sie lernen. Manchmal erlaubt sie sich dennoch zu träumen: „Ich möchte einmal Lehrerin werden“, erzählt sie. Marina T.s Mutter ist Lehrerin, auch sie hatte es anfangs als Alleinerziehende schwer und hat ein Jahr lang im Haus Domicilia gelebt und dort Marina T. zur Welt gebracht. Als sie ihrer Tochter jetzt nicht helfen konnte, sie lebt zu weit weg, hat sie sich an die Unterstützung damals erinnert.
Die Einrichtung in der Kidlerstraße ist eines von mehreren Mutter-Kind-Häusern des SkF München e.V. Die Frauen melden sich freiwillig, alleinerziehende Schwangere und Mütter mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren bekommen hier eine Wohnung, sowie Beratung und Unterstützung bei allen Fragen, die das Kind betreffen, aber auch zu Themen wie Ausbildung und Beruf. Gemeinsam mit den Müttern versuchen die Mitarbeiter*innen einen Zukunftsplan zu erarbeiten.
„Oft ist das gar nicht so einfach“, erzählt Mareike Sell, Leiterin der Mutter-Kind-Häuser beim SkF München e.V. „Oft können wir nur zuhören, trösten und mit aushalten, wie schwierig es als Alleinerziehende ist.“ Marina T. ist kein Einzelfall, sagt Mareike Sell. „In der Theorie gibt es Teilzeitjobs, in der Praxis sollen die Frauen dann aber um sieben Uhr morgens im Supermarkt sein oder am Wochenende als Bedienung arbeiten – mit den Kinderbetreuungszeiten ist das kaum vereinbar.“
Marina T. hofft nun, dass sie eine Ehrenamtliche findet, die sie beim Abholen der Kinder in Schwabing für ein paar Monate unterstützt. Dann könnte sie ihre Ausbildung als Erzieherin zu Ende machen – und irgendwann wieder auf eigenen Beinen stehen.
Sie möchten sich ehrenamtlich engagieren und Marina T. helfen? Dann melden Sie sich bei uns unter 089/55981-241 oder unter