Die große Mehrheit der inhaftierten Frauen sind Mütter. Mit einem Gefängnisaufenthalt ist fast immer die Trennung von Mutter und Kind verbunden. Die Leidtragenden sind die Kinder: Sie werden unschuldig mitbestraft. Gemeinsam mit dem Fachausschuss Frauen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe e.V. will der SkF München e.V. das Thema in den Fokus rücken.
Schätzungen zufolge sind zwei Drittel aller inhaftierten Frauen Mütter. Zudem bekommen etwa 60 Frauen jedes Jahr in Deutschland während eines Gefängnisaufenthaltes ein Kind.
Eine Mutter-Kind-Unterbringung im Gefängnis ist nur bis zum dritten Lebensjahr des Kindes möglich, und es gibt es nur ganz vereinzelt Plätze, die den Bedarf aber nicht abdecken. Mit einer Inhaftierung ist deshalb fast immer die Trennung von Mutter und Kind verbunden, die die Bindungsbeziehung stark belastet.
Nähe, Alltagserleben und Kontaktmöglichkeiten brechen weg, während Unsicherheit und Schuldgefühle zunehmen. Frauen in Haft stehen oft unter dem Druck, ihre Mutterrolle aufrechtzuerhalten – unter Bedingungen, in denen Besuche, Telefonate und körperliche Zuwendung nur sehr eingeschränkt möglich sind.
Die Leidtragenden sind oft die Kinder: Sie werden unschuldig mitbestraft. In Deutschland sind etwa 100.000 Kinder jährlich betroffen. Sie erleben oft wirtschaftliche Einschränkungen, Stigmatisierung und wechselnde Betreuungssituationen sowie Gefühle von Unsicherheit und Scham – mit potenziell langfristigen Folgen für ihre Gesundheit. Allerdings fehlt es hier noch immer an ausreichend Daten.
Der SkF München e.V. ist Mitglied im Fachausschuss Frauen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligenhilfe e.V. und will nun mit verschiedenen Veranstaltungen das Thema der frauenspezifischen Straffälligenhilfe wieder stärker in den Fokus rücken. Zuletzt ging es etwa um die gesundheitliche Versorgung von Frauen in Haft.
Bei einer digitalen Veranstaltung zum Thema Mutterschaft sprachen nun unter anderem Prof. Dr. Margot Vogel Campanello von der Berner Fachhochschule und Ulla-Britt Klankwarth von der Bundesinitiative Netzwerk Kinder von Inhaftierten.
Ziel ist es, Frauen in Haft und ihre psychische Gesundheit besser unterstützen zu können, damit eine Resozialisierung gelingen kann. Zudem soll die Mutterrolle, auch über mehr Kontaktmöglichkeiten und mehr Plätze im Mutter-Kind-Vollzug, gestärkt werden im Sinne des gesunden Aufwachsens der Kinder.